Geschichte

Das Forum für internationale Friedensarbeit (Fifar) e.V. in Essen reicht mit seinen Wurzeln zurück ins Jahr 1976 und ist damit eine der ältesten Eine-Welt-Gruppen und seit mehr als 40 Jahren aktiv.

Auslöser für die Gründung des Chile-Komitees war die Unterstützung eines Hungerstreiks Bildergebnis für allende solidaritätchilenischer Flüchtlinge in Essen gegen die Menschenrechtsverletzungen der damaligen Militärdiktatur in ihrer chilenischen Heimat. Der gemeinsame Protest von Deutschen und ChilenInnen richtete sich auch gegen die zögerliche und beschwichtigende Haltung der deutschen Politik gegenüber den Militärs in Chile.

 

Die demokratisch gewählte Regierung Allende war am 13. September 1973 von Militärs unter der Führung von General Pinochet gestürzt worden. Die Menschenrechtsverletzungen zwangen viele GegnerInnen der Diktatur zur Flucht nach Europa. Wolf Grabendorff, Südamerika-Korrespondent des ARD-Fernsehens am 25.September 1973 über eine von den Militärs organisierte „Besichtigung“ des Nationalstadions: „Mehr als 10.000 Gefangene werden in diesem Stadion gefangen gehalten. 80 Journalistenkollegen werden genauso von den Militärs bewacht wie alle anderen. Ihr Verbrechen war kein anderes, als an die Regierung (Allende) zu glauben. Niemand weiß genau, wie viele von ihnen verwundet, wie viele erschossen worden sind. Es ist den ausländischen Journalisten verboten, mit den Gefangenen zu sprechen…“

Im damaligen Chile-Komitee arbeiteten ExilchilenInnen und Deutsche mit. Die Solidaritätsarbeit hatte zum Ziel, die Zusammenarbeit der deutschen Regierung mit der chilenischen Diktatur zu kritisieren und die Rückkehr zu einer demokratischen Entwicklung zu unterstützen. Die Gründung des Vereins Fifar Anfang der 80er Jahre hatte eher organisatorische Gründe, damals stand die Verbindung mit vielen Ländern Lateinamerikas und der politischen Entwicklung im Mittelpunkt der Arbeit. Ein Exilchilene, Mario Sottolichio, der hier in Deutschland heimisch geworden war, kehrte 1990 im Zuge der Redemokratisierung nach Chile zurück. Dort gründete er ein Jungenwohnheim.

Die politischen und persönlichen Verbindungen zwischen San Felipe in Chile und Essen in Deutschland blieben erhalten und wuchsen weiter. Es entstand eine Projektpartnerschaft zwischen Fifar e.V. und dem Jungenheim Casa Walter Zielke in San Felipe Chile. In diesem, nach dem Essener Studentenpfarrer Walter Zielke benannten Heim, der die Solidaritätsbewegung für Lateinamerika in Essen und überregional geprägt hatte, leben heute etwa 20 Jungen, die nicht in ihren Familien bleiben können. Die Arbeit in der „Casa“ hat zum Ziel für Kinder und Jugendliche Bedingungen zu schaffen, die ihnen eine geregelte Schulausbildung ermöglichen. Sie werden in ihrem Alltagsleben so versorgt, betreut und gestützt, dass ein kontinuierlicher Schulbesuch möglich ist. Inzwischen gibt es in dieser Partnerschaft im Aconcagua-Tal in Chile weitere Projekte: eine Senioreneinrichtung, eine Schule, ein Stadtteilprojekt, ein Studentenwohnheim in Valparaíso. Viele Jugendliche aus den Partner-Projekten können nach ihrem Schulabschluss ein Studium beginnen. Da aber oft die finanziellen Mittel für Wohnung und Lebensunterhalt fehlen, hat Mario in Valparaíso ein Studentenwohnheim für Jugendliche aus San Felipe gegründet. Fifar unterstützt diese Arbeit mit Spenden.

Seit 1992 ist die Partnerschaft zwischen Deutschland und Chile durch die Entsendung von Freiwilligen weiter entwickelt worden. In diesem freiwilligen Friedensdienst (früher Zivildienst im Ausland), haben in den letzten 25 Jahren mehr als 100 junge Menschen einen Auslandsdienst gemacht. Das Programm „Weltwärts“ der Bundesregierung trägt mit finanziellen Mitteln und einer qualifizierten Vor- und Nachbereitung dazu bei, dass Fifar jedes Jahr wieder junge Leute zur Arbeit in den Partnerprojekten entsenden kann. Sie leben in einem von Fifar angemieteten Haus gemeinsam in San Felipe und sind BotschafterInnen für diesen Friedensdienst.

In den letzten Jahren hat der Verein in Essen seine Struktur weiter entwickelt. Neben den langjährigen Mitgliedern sind ehemalige Freiwillige in die Vereinsarbeit eingestiegen, die zunehmend auch die Verantwortung für Finanzen, Organisation, Kontakte nach Chile und Begleitung der Freiwilligen übernehmen.

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